Mut zur Schönheit

Es gibt sie noch: Diese bestimmten Orte auf der Welt, die eine Art von Magie in sich tragen, von der man sich positiv einnehmen und bezaubern lässt. Und Bamberg zählt für mich definitiv zu ihnen.

Wie als würde man in eine Zeitkapsel einsteigen, strandet man hier zwischen kunstvollen Fachwerkhäusern, ehrfürchtigen Altbauten und kleinen Ruheoasen. Sie alle laden zum Flanieren ein. Sie alle inspirieren auf ihre eigene Art und Weise. Hauchen dem Gewissen Geschichten ein. Geschichten, die sich von kleinen Anekdoten bis hin zu ganzen mittelalterlichen Sagen ziehen. 

Und so schreitet man hindurch. Zwar umringt von altertümlichen Bauten, doch mehr im Jetzt angekommen als im üblichen Alltag zwischen PC, Smartphone und Terminen. Man schreitet und denkt nach. Eventuell beobachtet man dabei, so ging es zumindest mir, wie man weg von dem ganzen Routinekram und hin zu den schönen Gedanken wandert.

Und so ging es recht schnell, dass ich bei einer Thematik landete, die mich auch andererorts noch beschäftigte: Der Tod der ästhetischen Baukunst zugunsten der Kosteneinsparung und der zeitlichen Effektivität. Eventuell bin ich damit alleine – doch genau an Orten wie diesen frage ich mich, warum wir es verlernt haben, stilvoll zu sein. Alles muss schneller werden, cleaner, höher & größer, doch dabei günstiger und leichter umsetzbar. Und heimlich, still und leise schlich sich damit die Seele unserer Arbeit hinfort. Nun könne man dies natürlich nicht nur auf Bauwerke beziehen: Logos, Websites, Broschüren, Bücher, Werkzeuge. Sie alle erlitten und erleiden das Gleiche. 

Dass die Idee absolut utopisch ist, von heute auf morgen wieder alles wie damals im Sinne der Kunst zu bauen, ist mir klar. Darauf möchte ich auch gar nicht hinaus. Viel eher möchte ich an dieser Stelle dazu einladen, kurz stehenzubleiben (so wie ich an die hundert Mal in Bamberg). Einfach mal einen kleinen Moment innehalten und genießen. Mit den Gedanken hin- und herflanieren. 

Geglückt? Dann wird man schnell merken, dass es nicht das große inspirierende Bauwerk braucht, um mal weg von den Alltagsgedanken und hin zu den spannenden Themen zu kommen. Denn so sehr Orte wie Bamberg auch berühren mögen, sind sie am Ende nicht die Quelle unserer Ideen – diese bleiben bis zuletzt wir selbst.

Eventuell liegt auch hierin der Gedanke, den ich an diesem Punkt weitergeben möchte:

„Es geht nicht darum, so zu bauen und zu schaffen wie damals. Es geht darum, wieder so zu fühlen wie damals.“ 

Mit mehr Anspruch an sich und seine Kreationen. Mit mehr Mut zur Schönheit. Und mit mehr Hang zum Individualismus.

 

PS: Ein, zwei Autobilder dürfen in einer Stadtserie natürlich nicht fehlen.